Nachlese zur 7. Veranstaltung der BPM-Offensive Rhein.Ruhr – Business Process Mining

In unserem gestrigen Workshop haben wir das klassische Vorgehen im Prozessmanagement „auf den Kopf gestellt“. Die BPM-Lehrbücher betrachten die Implementierung eines Prozesses durch IT-Systeme typischerweise als zweiten Schritt nach der Gestaltung eines Soll-Prozesses. Echte BPM-Projekte starten jedoch selten auf der grünen Wiese. Und egal, ob Prozessanalysen für die Verbesserung von Prozessen, im Rahmen der Softwareauswahl oder bei Compliance-Fragestellungen durchgeführt werden: zunächst ist ein Verständnis der Ist-Situation erforderlich.

„Warum sollten wir also nicht Daten aus existierenden IT-Systemen abgreifen, um einen guten Startpunkt für die Prozessanalyse zu finden“, fragte der erste Vortragende am gestrigen Abend, Dominic Breuker (WWU Münster, ERCIS) <Vortragsfolien>. Der Ansatz von Process Mining ist eine ereignisbasierte Datenanalyse. Die Idee: Aus existierenden IT-Systemen sollen Hinweise auf Aktivitäten, die im Prozess ausgeführt werden, und  Zeitstempel erhoben und anschließend folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie sehen die Prozesse aus?
  • Wo liegen die Probleme?

Process Mining 1Klar ist jedoch auch: Process Mining erlaubt keine Prozesserhebung und schon gar nicht eine Prozessverbesserung „auf Knopfdruck“;  aber es ist eine vielversprechende Ergänzung zu klassischen Datenerhebungstechniken wie Interviews, Workshops oder Dokumentenanalysen im Werkzeugkoffer des Beraters oder Prozessverantwortlichen. Sein Appell: „Lasst den Prozess doch zunächst für sich selbst sprechen!“

Dr. Anne Roziant (Mitbegründerin von Fluxicon) zeigte dann mithilfe ihres Softwaretools „Disco“ viele beispielhafte Analysen, die Process Mining unterstützen kann – unter anderem das Entdecken von Kontrollflussstrukturen, die Visualisierung des Verlaufs einzelner Instanzen sowie Statistiken zu Häufigkeiten und Zeiten. Frau Rozinat diskutierte auch Beispiele aus Kundenprojekten, die verdeutlichten, wie und wo konkrete Verbesserungsvorschläge zum Beispiel bei der Gestaltung des Rückerstattungsprozesses eines Elektronikgeräteherstellers oder im IT-Service-Management-Prozess von ANA Airports mithilfe von Process Mining entdeckt werden konnten. Das Tool und seine Anwendung werden in diesem Artikel und diesem Video  beschrieben.

Mein Fazit: Wir hörten zwei sehr anschauliche und wirklich spannende Vorträge, die anschließend auch noch eine lange und angeregte Diskussion bei unserer sehr gut besuchten Veranstaltung befeuerten.
Process Mining 2

Mit Tangible Business Process Modeling können in der Gruppe effizient BPMN-basierte Aufgabenketten erstellt werden

Tangible Business Process Modeling = t.BPM

Tangible Business Process Modeling, kurz t.BPM

Ich hatte vordrei Jahren die Gelegenheit, an einem Workshop zur Prozessaufnahme der anderen Art teilzunehmen. Geleitet wurde dieser Workshop von Alexander Lübbe, Forschungsassistent im Hasso Plattner Institut für It-Systems Engineering an der Universität Potsdam. Er hatte einen interessanten Koffer mit Plastikkärtchen im Format der BPMN-Elemente Aktivität, Gateway und Ereignis dabei. Der Name des Konzepts der Karten heißt t.BPM für Tangible Business Process Modeling. Er war noch in der Evaluierungsphase.

Gruppen, die mit den Karten arbeiten, profitieren

  • von der gemeinsamen Arbeitsfläche
  • mehrere Personen können gleichzeitig am Modell arbeiten.
  • Ideen können sofort durch Zeigen und Arrangieren verdeutlicht werden
  • Ideen werden konkreter
  • Diskussionen sind effektiver
  • das Ergebnis des Workshops ist im Prozessmodell dokumentiert.

Ein Video zeigt , wie schnell die Gruppe zu Ergebnissen kommt. Hr. Lübbe nutzte den Workshop für Ideen, was an Arbeitsblättern dem Koffer noch hinzu gegeben werden kann im Sinne des Best Practice: wie gehe ich beim Gruppenmodellieren vor?

Inzwischen gibt es eine Reihe von Referenzen und eine eigene Internetseite: www.t-bpm.de

7. BPMRR-Workshop – Process Mining

Veranstaltungstitel: Process Mining
Veranstaltungsort: Dortmund, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe in Dortmund, Robert-Schimrigk-Str. 4 – 6
Datum: Montag, 15. Juli 2013
Zeit: 18:00h Einlass, 18:30h Start des Workshops, 20:45h Ausklang

Process Mining ist eine Teildisziplin des Geschäftsprozessmanagements, deren Ausgangspunkt ausnahmsweise nicht das Prozessmodell ist. Im Gegenteil: „Process Miner“ versuchen, ein Ist-Prozessmodell aus den Log-Daten von IT-Systemen zu schürfen. Mittlerweile existieren viele Methoden und Softwarewerkzeuge, die helfen, beispielsweise folgende Fragen zu beantworten:

  • Wie laufen die Prozesse in meinem Unternehmen (tatsächlich) ab?
  • Werden Prozesse „konform“ zu meinen Prozessmodellen ausgeführt?
  • Wie kann ich die Performance von Prozessen verbessern?

Im Rahmen unseres Workshops geben zwei Referenten einen Einblick in dieses innovative BPM-Themenfeld.

Dominic Breuker von der Universität Münster gibt zunächst einen allgemeinen Überblick. Er stellt typische Fragestellungen aus diesem Bereich vor und gibt einen Einblick in die Methoden, die zur Beantwortung dieser Fragen genutzt werden können.

Dr. Anne Rozinat, Mitbegründerin des auf Process Mining spezialisierten Softwarehauses Fluxicon, verdeutlicht dann unter der Überschrift „BPM auf den Kopf gestellt“, warum man Process Mining in der Praxis braucht. Anhand von Beispiel zeigt sie, wie das Mining funktioniert und wo es schon überall gewinnbringend eingesetzt wurde.

Die Anmeldung ist nun über das BPM-Netzwerk möglich.

Wir freuen uns auf einen spannenden Abend und eine angeregte Diskussion!

Nachlese zur 6. Veranstaltung der BPM Offensive Rhein.Ruhr – Das universelle Prozessmodell

Nach einer kurzen Vorstellung der BPMRR motivierte Dominik Blattner von der CDI AG das Thema durch eine kurze Beleuchtung der Fragestellung nach der Bedeutung von Prozessmodellen in umfassenden BPM Vorhaben. Zudem stellte er die These der Existenz eines umfassenden und integrierten Prozessmodells für die unterschiedlichen Beteiligten und Zielsetzungen eines solchen Vorhabens auf. Anschließend konnte Frau Katharina Clauberg von Signavio in ihrem Vortrag „Prozessmodellierung mit SIGNAVIO – Features & Trends“ (siehe Folien) die Sicht eines Produktherstellers beleuchten. Die Überleitung zum Workshop-Teil des Abends erfolgte dann wiederum durch Dominik Blattner durch die Vorstellung der verschiedenen involvierten Rollen innerhalb von BPM Vorhaben und deren spezifischen Ziele bei der Prozessmodellierung (siehe Folien).

Die Arbeit in Kleingruppen zu den Zielen und Anforderungen an ein Prozessmodell und insb. die anschließend geführte Diskussion zeigte dabei, dass die anwesenden Personen in den meisten Fällen eine sehr dezidierte Vorstellung zu diesem Thema haben, es aber hinsichtlich der unterschiedlichen Rollen und insb. auch Arbeitsebenen (z.B. Management vs. Prozessbeteiligter) sehr unterschiedliche Meinungen gab. Es zeigte sich, dass ein gemeinsames Prozessmodell hier sehr wohl als Brücke und insb. auch Katalysator einer Verständigung dienen kann, die unterschiedlichen Perspektiven aber sehr wohl eine große Herausforderung für ein integriertes Modell darstellen. Die Diskussion wurde sehr lebhaft geführt und gab allen Beteiligten so die Möglichkeit, ihren eigenen Standpunkt zu hinterfragen, ihren Blickwinkel zu erweitern und insb. Argumente für ihr persönliches Arbeitsumfeld zu sammeln. Kurzum: Es war ein sehr kurzweiliger und interessanter Abend, der hoffentlich bald eine Fortsetzung findet.

6. BPMRR-Workshop – Das universelle Prozessmodell: Die Suche nach dem heiligen Gral, oder doch nur pure Zeitverschwendung?

Veranstaltungsort: Best Western Hotel Leverkusen, Am Büchelter Hof 11, 51373 Leverkusen
Datum: Mittwoch, der 20. Februar 2012
Zeit: 18:00h Einlass, 18:30h Start des Workshops, 20:45h Ausklang

Das Verständnis und die Rolle von Prozessmodellen haben sich durch Verwendung der BPMN als Notationssprache geändert. Nun sollen Prozessmodelle direkt auf sogenannten Prozess-Engines ausgeführt werden und müssen somit technischen und architekturkritischen Fragen standhalten, ohne dabei ihre Businesstauglichkeit zu verlieren. Zwei Anforderungen sind dabei zu adressieren: Es ist eine Operationalisierung in der Form alltagstauglicher Business-Prozessdarstellungen mit detaillierten Informationen über Ausführungsvorschriften, wie zum Beispiel das Ermitteln von Stakeholdern und das Abbilden von Eskalationsszenarien erforderlich. Ebenso ist eine Technifizierung der Prozessmodelle erforderlich, die Aspekte der Ausführung und der damit verbundenen Präsentation als Laufzeitinformation für den Fachbereich einschließt.
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Überblick über die nächsten Veranstaltungen

Nächste Veranstaltung:

15.07.2013 – Process Mining

Ort: Dortmund, Robert-Schimrigk-Str. 4-6 / kvwl Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe

Zeit: 18:00h Einlass, 18:30h Start des Workshops, 20:45h Ausklang

Die Anmeldung wird über das BPM-Netzwerk erfolgen.

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[Update: inkl. Präsentationsunterlagen] Nachlese der 5. Veranstaltung: BPMN verdrängt EPK? Wie komme ich dann von A nach B?

Die am 21.11.2012 stattgefundene 5. Veranstaltung bot den Erfahrungsautausch zum Status Quo der Modellierungsnotationen BPMN und EPK und wie eine Migration von EPK nach BPMN aussehen kann. Getroffen haben sich die Teilnehmer in den Geschäftsräumen der gbtec software + consulting AG in Bochum. Der Einladungstext war:

Organisationen sind heute stärker denn je Veränderungen unterworfen. Zunehmender Wettbewerbsdruck, innovative Technologien und verschärfte Marktbedingungen stellen neue und verändern bestehende Herausforderungen. Die besten Antworten gelingen, wenn das Wissen verschiedener Experten kombiniert und begeisternde Lösungen entwickelt werden. Diese zu ermöglichen, ist das zentrale Motiv integrierter BPM-Projekte.

Häufig fehlt es aber an einem zentralen „BPM-Fundament“. Dadurch leidet insbesondere die Abstimmung zwischen Fach- und IT-Abteilungen. Die Komplexität steigt, Nutzer lehnen vorhandene Software ab, die Organisation verbessert sich nur gering und erstellte Inhalte passen sich nur schwer an veränderte Anforderungen an.

BPMN 2.0 ist angetreten, das „BPM-Fundament“ zu bilden. Wie aber geht man mit bestehenden Modellierungen um? Wie überführt man Modelle, in Deutschland bisher überwiegend EPK-basiert, in die neue Notation? Welche Anforderungen stellen sich den verantwortlichen Mehr von diesem Beitrag lesen

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